>Das ist wirklich das Schlimmste: so zu tun, als wäre alles normal.<
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2012!
Eirik und Berg finden ihren Vater tot in seiner Wohnung auf. Was tun? Bestatter? Polizei? Aufs Bett legen? Eine zunächst absurde Komödie schleudert die beiden Brüder in eine Extremsituation, die Abgründe offenlegt und merkwürdige Gedanken hervorbringt. Über den eigenen Tod, über Väter, die uns unbekannt sind. Und die ein namenloses Leid beschreiben, dessen Ursache sich nicht finden läßt.
Die Kölner Erstaufführung – die erste eines Stockmanntextes überhaupt – befragt diesen ungewöhnlichen und rätselhaften Text nach seinem Gehalt jenseits von psychologischen Bruderkämpfen. Es begreift ihn als leidenschaftliche Kampfansage eines Autors gegen seinen vermeintlichen Tod und eine Ode auf das Theater, wie es sein könnte.
Bevor der junge Autor, Dichter und Regisseur Nis-Momme Stockmann an der Universität der Künste Berlin „Szenisches Schreiben“ studierte, lernte er „Sprache und Kultur Tibets“ in Hamburg, Medienwissenschaften im dänischen Odense und machte eine Ausbildung zum Koch. Mit seinem Stück „Der Mann der die Welt aß“ wurde Stockmann beim Heidelberger Stückemarkt 2009 mit dem Haupt- und Publikumspreis ausgezeichnet. Auch sein zweites Stück „Kein Schiff wird kommen“ wurde zu den Mülheimer Theatertagen und ins Rahmenprogramm des Berliner Theatertreffens 2010 eingeladen. Seit Beginn der Spielzeit 2009/10 arbeitet Nis-Momme Stockmann zudem als Hausautor für das Schauspiel Frankfurt. In der Kritikerumfrage des Fachmagazins „Theater Heute“ wurde Nis-Momme Stockmann zum „Nachwuchsdramatiker des Jahres 2010“ gewählt. „Die Ängstlichen und die Brutalen“ ist die erste Kölner Uraufführung und zugleich die erste Stockmann-Inszenierung in der Stadt.
Regie Torge Kübler Ausstattung Christina Mrosek Mit Robert Oschatz, Jean Paul Baeck Assistenz Uta Stevens Aufführungsrechte SchaefersPhilippen
Pressestimmen
aKT: Die spannendste Inszenierung der freien Szene? Ulrike Westhoff [StadtRevue, WDR]: "Die Ängstlichen und die Brutalen" von Nis-Momme Stockmann (Regie: Torge Kübler) im Theater der Keller. Ein engagierter Streit zweier Theaterformen. Schicht für Schicht entblößt er sich hier, bis der letzte Vorhang fällt.
aKT-Kritikerumfrage der Kölner Theatersaison 2011/12
Mit viel Energie und hoher Sprechgeschwindigkeit liefern sich Jean Paul Baeck und Robert Oschatz einen exzellenten Schlagabtausch. In den spannenden Momenten, in denen die Schauspieler aus ihren Rollen fallen, wird das Spiel regelrecht zum Plädoyer für unterschiedliche Theaterformen. [...] Dem Keller-Ensemble gelingt eine sehr unterhaltsame, vielschichtige Analyse heutiger Theaterfragen.
aKT.32 ... Dorothea Marcus ... April 2012
Das muss man erst mal bringen: das Publikum für tot erklären. Aber die Premierenzuschauer sind boulevardkomödiengelaunt und mögen die Pointe gern, zumal sie vorher klug-witzig zum Thema "Authentizität" aufgemischt wurden. [...] Aber dann schlägt der eine Burder den anderen und diese Kombination von Müffelvorhängen in Gold, mit Rosen und Comics samt abgefahren-symbolischen Träumen gewinnt etwas bedrohlich Groteskes, das durch die Regie sorgfältig rhythmisiert wird. Der Abend wird seine Fans finden.
Choices ... Christiane Enkeler ... April 2012
Es entwickelt sich eine bunte, herrlich verrückte Geschichte – eine psychosoziale Studie, absurd, grotesk, komisch. „Die Ängstlichen und die Brutalen“ im Theater der Keller bietet knapp anderthalb Stunden gekonnte Unterhaltung. [...] Existenzialistische Gedanken über den Tod vermischen sich in dem Stück mit der wieder im Trend liegenden Selbst-Infragestellung des Schauspielers, hier allerdings ohne den oft üblichen penetranten Aufklärungsimpetus, stattdessen spielerisch leicht und komödiantisch. [...] Die Kölner Inszenierung lebt nicht zuletzt von der hervorragenden, höchst disziplinierten Leistung der beiden Schauspieler.
www.koeln.de ... Jürgen Schön ... 12. März 2012
Eine tolle Produktion ist dem Keller mit dieser Inszenierung gelungen, die schlagend das imponierende Potential des Theaters gegenüber dem Fernsehen und seinen kurzatmigen Comedy-Shows behauptet. Auch wenn sich das Stück im zweiten Teil etwas verzettelt, setzt Torge Kübler immer wieder pointierte Momente mit seinen beiden Darstellern, deren glühende Spiellaune die Inszenierung aufheizt. Stockmanns intelligenter Text entzückte das Premierenpublikum.
Kölnische Rundschau ... Thomas Linden ... 13. März 2012
So gelingt Küblers mehrdeutig unterhaltsame Inszenierung mit einem innovativen Zugriff auf den dramatischen Text, stülpt seine Einfälle aber nie eitel darüber; Marktschreiereien sind hier nicht nötig für nachhaltige Wirkung. Eine weitere Stärke der Aufführung ist die Qualität der beiden jungen Darsteller. Jean Paul Baeck und Robert Oschatz (Absolvent der Schule des Theaters und Puck-Preisträger 2010) sprechen und spielen gut, präzise und zügig und wechseln überzeugend zwischen den Ebenen. Großer Applaus nach 80 Minuten.
Kölner Stadt-Anzeiger ... Jessica Düster ... 12. März 2012
„Die Ängstlichen und die Brutalen“ im Theater der Keller reißt das Publikum vom Anfang bis zum Ende mit. [...] Ihrem präzisen, disziplinierten Spiel können sich die Zuschauer keine der gut 90 Minuten Spielzeit entziehen – mag das Stück auch noch so viele gekonnte Haken schlagen zwischen Trash und Pathos, Ernst und Komik, Hoch-, Tief- und Unsinn.
www.koeln-nachrichten.de ... 13. März 2012
Vor allem zu Beginn ist diese Inszenierung eine sehr unterhaltsame Theaterattacke, die von der Spannung zwischen dem clownesken Schnellredner Jean Paul Baeck, der nicht von ungefähr den Namen "Pollesch" fallen lässt, und dem hüftsteif angelegten Aggro-Bruder lebt. [...] Es kommt Livestimmung auf, wenn der kulleräugige Baeck auf Einwürfe vom Parkett reagieren kann, und man spürt einen Hauch vom "aktiven Rezipienten", nach dem sich der Dramatiker Stockmann sehnt, wie er sagt.
StadtRevue ... Susanne Finken ... April 2012